Vietnams Tourismus im Aufwind: eine „Symphonie“ aus Kultur, Natur, Technologie und Menschlichkeit
Getragen von einem Rekord von 12,6 Millionen internationalen Touristen und ausgezeichnet als „Bestes Reiseziel Asiens“ steht Vietnam an einem entscheidenden Wendepunkt auf dem Weg in den Markt des gehobenen Tourismus. Zwischen der Dringlichkeit einer nachhaltigen Entwicklung angesichts der Überlastung von Orten wie Sa Pa, dem Aufschwung immersiver Technologien im Dienst des Kulturerbes in Huế oder Thăng Long und der Stärkung des gemeindebasierten Tourismus: Entdecken Sie den strategischen Fahrplan, mit dem das Land des Drachen bis 2030 an die Spitze der weltweiten Wettbewerbsfähigkeit gelangen soll.
Getragen von einem Rekord von 12,6 Millionen internationalen Touristen und ausgezeichnet als „Bestes Reiseziel Asiens“ steht Vietnam an einem entscheidenden Wendepunkt auf dem Weg in den Markt des gehobenen Tourismus. Zwischen der Dringlichkeit einer nachhaltigen Entwicklung angesichts der Überlastung von Orten wie Sa Pa, dem Aufschwung immersiver Technologien im Dienst des Kulturerbes in Huế oder Thăng Long und der Stärkung des gemeindebasierten Tourismus: Entdecken Sie den strategischen Fahrplan, mit dem das Land des Drachen bis 2030 an die Spitze der weltweiten Wettbewerbsfähigkeit gelangen soll.

Der vietnamesische Tourismus ist eine kulturelle Brücke, die das Verständnis zwischen den Nationen fördert (Foto: VOV)
2023 empfing Vietnam 12,6 Millionen internationale Touristen, 3,4-mal so viele wie 2022 (laut der Nationalen Tourismusbehörde), und wurde von den World Travel Awards zum „Besten Reiseziel Asiens“ gekürt.
Dieser Erfolg spiegelt nicht nur die Anziehungskraft der Landschaften und der Kultur Vietnams wider, sondern eröffnet dem Land auch die Chance, sich in der weltweiten Wertschöpfungskette des gehobenen Tourismus zu positionieren.
Die Welt bewegt sich rasch hin zum Erlebnistourismus: Reisende wollen nicht mehr nur Landschaften bewundern, sondern tief in die lokale Kultur eintauchen. Für Vietnam ist das eine goldene Gelegenheit, seine unglaubliche ökologische Vielfalt und sein reiches Kulturerbe zu nutzen.
Reiseziele wie Mù Cang Chải (Yên Bái) mit seinen goldenen Reisfeldern zur Erntezeit oder die Straße des Kulturerbes in Zentralvietnam haben ihr Potenzial bewiesen und in den vergangenen Jahren zahlreiche internationale Touristen angezogen. Die entscheidende Frage bleibt jedoch: Wie lassen sich diese Ressourcen in unverwechselbare touristische Produkte verwandeln, die mit Thailand, Malaysia oder Japan konkurrieren können? Diese Frage verdient noch eine gründliche Antwort.
Kreativtourismus: traditionelle Werte im digitalen Zeitalter neu definieren
Das 21. Jahrhundert verlangt ein Gleichgewicht zwischen Bewahrung und Innovation. Japan hat es geschickt verstanden, moderne Technologie und Kulturerbe zu verbinden, um innovative touristische Erlebnisse zu schaffen. In Kyoto können Besucher über Online-Plattformen an virtuellen Begegnungen mit Geishas oder Maikos teilnehmen, sich mit ihnen austauschen und die Kultur der Geishas aus der Ferne kennenlernen.
Virtual-Reality-Erlebnisse (VR) in Kyoto stellen häufig die Kultur der Ninjas in den Mittelpunkt. Im NINJA VR KYOTO können Besucher das Werfen von Shuriken üben, Blasrohre benutzen und dank VR in die traditionelle Welt Japans eintauchen.
Die japanische Kochkunst verbindet Tradition und Kreativität und bietet Besuchern immersive Erlebnisse. In Tokio beschränken sich Sushi-Kurse mit professionellen Köchen nicht auf die Zubereitungstechniken, sondern vermitteln auch die Geschichte und die kulinarische Kultur Japans.
Frankreich wiederum hebt sich mit seiner raffinierten Gastronomie durch Weintouren in den Weinbergen von Bordeaux hervor, bei denen Besucher den Prozess der Weinherstellung kennenlernen, Winzern begegnen und die Erzeugnisse direkt vor Ort verkosten. Die Aufnahme der französischen Gastronomie (insbesondere des handwerklichen Know-hows und der Baguette-Kultur) in das Immaterielle Kulturerbe der Menschheit durch die UNESCO im Jahr 2022 hat Frankreichs Stellung als unverzichtbares Ziel für Genießer gestärkt.
Vietnam: wenn Technologie im Dienst des Kulturerbes immersive Erlebnisse schafft
Vietnam integriert nach und nach moderne Technologie, um das touristische Erlebnis zu verbessern und sein Kulturerbe zu bewahren. In der Kaiserstadt Thăng Long lässt ein Panorama-Vorführsaal mit 360°-Leinwand historische Ereignisse immersiv wieder aufleben und versetzt die Besucher in die Geschichte der vietnamesischen Dynastien.
In Huế hat das Zentrum für Denkmalpflege das Erlebnis „Auf der Suche nach der verlorenen Kaiserstadt“ ins Leben gerufen, das mithilfe von Virtual Reality (VR) die Kaiserstadt von vor 200 Jahren rekonstruiert. Besucher können an verschiedenen interaktiven Aktivitäten teilnehmen, etwa an Simulationen in einem VR-Raumschiff, an VR-Teleskopen und auf VR-Laufbändern, und erhalten so einen umfassenden und realistischen Einblick in die Geschichte der Nguyễn-Dynastie.
Kulinarisch entwickelt Vietnam bereits Genussreisen in Verbindung mit gehobenen Aufenthalten. Das Angebot an kreativem kulinarischem Tourismus wird jedoch trotz seines enormen Potenzials noch zu wenig genutzt.
Etwa Workshops zur Herstellung von bánh mì mit erfahrenen Handwerkern in Hanoi oder Dinnershows mit immersiven Hologrammprojektionen in Ho-Chi-Minh-Stadt: Sind diese Ideen unrealistisch? Oder sind sie die Zukunft des vietnamesischen Tourismus?

Vietnam entwickelt bereits Genussreisen in Verbindung mit gehobenen Aufenthalten
Eine „intelligente“ Tourismuspolitik: das Gleichgewicht zwischen Wachstum und nachhaltiger Entwicklung finden
Seit 2023 haben die Verlängerung des E-Visums auf 90 Tage und die Verlängerung der Aufenthaltsdauer auf 45 Tage für 13 Länder eine beträchtliche Zahl europäischer Touristen angezogen. Laut dem TTDI-Bericht 2023 (Travel & Tourism Development Index) des Weltwirtschaftsforums (WEF) liegt Vietnam bei der touristischen Wettbewerbsfähigkeit jedoch nur auf Platz 59 von 119 Ländern. Trotz einiger Stärken hat das Land noch Schwierigkeiten beim Umweltmanagement und bei der Entwicklung eines nachhaltigen Tourismus.
Nehmen wir das Beispiel Sa Pa, eine Stadt mit 10.000 Einwohnern, die 2018 2,7 Millionen Besucher empfing. Dieser Massenandrang setzt die lokale Infrastruktur und die Umwelt enorm unter Druck und bringt die Gefahr von Wasserverschmutzung und kultureller Erosion mit sich.
Um ähnliche Probleme zu lösen, hat Island für empfindliche Orte wie die Blaue Lagune ein verpflichtendes Reservierungssystem eingeführt, das die Zahl der Besucher begrenzt und die Umwelt schont. Vietnam könnte sich an diesem Ansatz orientieren, um den Besucherstrom in Sa Pa oder an anderen empfindlichen Naturstätten zu steuern.
Im weiteren Sinne ist es dringend geboten, einen Rechtsrahmen zu schaffen, der Besucherkontingente für Welterbestätten festlegt, und zugleich touristische Alternativen zu entwickeln, um die Ströme in Zeiten großen Andrangs besser zu verteilen.
Ein weiterer Hebel ist die Steuerpolitik, die „grüne Unternehmen“ begünstigen sollte. Einige Länder gewähren Unternehmen aus Tourismus und Hotellerie, die erneuerbare Energien nutzen, Steuererleichterungen. Vietnam könnte einen ähnlichen Ansatz verfolgen, indem es die CSR-Bewertung (Corporate Social Responsibility) zu einem Kriterium für die Vergabe von Betriebslizenzen macht.
Verantwortungsvoller Tourismus: wenn lokale Gemeinschaften zum Motor der Entwicklung werden
Laut der Zeitung Báo Sơn La hat das Modell des gemeindebasierten Tourismus in Mộc Châu (Sơn La) positive Ergebnisse gebracht. In bản Áng in der Gemeinde Đông Sang haben 40 Familien in Homestay-Unterkünfte investiert und seit 2020 mehr als 92.000 Besucher empfangen, mit einem Umsatz von über 100 Milliarden VND.
Ebenso wurden in den Dörfern Tà Số 1 und Tà Số 2 (Gemeinde Chiềng Hắc), deren Einwohner zu über 90 % der Volksgruppe der Hmong angehören, seit 2021 40.000 Touristen gezählt, mit Einnahmen aus dem Tourismus von mehr als 20 Milliarden VND. Diese Erfolge zeigen, dass die Stärkung lokaler Gemeinschaften nicht nur die Kultur bewahrt, sondern auch einen einzigartigen Hebel für die touristische Attraktivität darstellt.
Die größte Herausforderung bleibt jedoch die Ausbildung lokaler Fachkräfte im Tourismus. Laut dem Plan des Ministeriums für Kultur, Sport und Tourismus zur Entwicklung des gemeindebasierten Tourismus in Vietnam sollen bis 2025:
• mindestens 40 % der Verantwortlichen gemeindebasierter Tourismusbetriebe eine Ausbildung im Tourismusmanagement erhalten.
• 30 % der Beschäftigten im gemeindebasierten Tourismus aus- und weitergebildet werden, darunter mindestens 10 % Frauen.
• an jedem Ort des gemeindebasierten Tourismus mindestens eine Person eine Fremdsprache sprechen.
Diese Ausbildung soll den Einwohnern nicht nur Kompetenzen in Gästebetreuung und Tourismusmanagement vermitteln, sondern auch Kenntnisse in Abfallwirtschaft und im Erhalt des immateriellen Erbes. Das trägt zu einem nachhaltigen Tourismus bei, der Umwelt und lokale Traditionen respektiert.

Die größte Herausforderung bleibt die Ausbildung lokaler Fachkräfte im Tourismus (Foto: baotiengdan)
Marketingstrategie 4.0: das Potenzial von Nischenmärkten nutzen und die Marke der Reiseziele positionieren
Um mehr internationale Touristen anzuziehen, kann Vietnam gezielte Werbestrategien umsetzen und so neue, stark wachsende Auslandsmärkte erschließen. Die nordischen Länder etwa, deren Einwohner über eine hohe Kaufkraft verfügen und exotische Reiseziele suchen, oder der Nahe Osten, wo Reisende nach reichen kulturellen Erlebnissen und einzigartigen Naturlandschaften Ausschau halten, sind Zielgruppen mit großem Potenzial.
Der Markt des Nahen Ostens mit 150 Millionen kaufkräftigen Reisenden wird noch zu wenig erschlossen. Halal-zertifizierte Resorts in Nha Trang oder Đà Nẵng mit therapeutischen Spas auf Basis lokaler Heilpflanzen könnten diese anspruchsvolle Kundschaft überzeugen.
Zudem würde eine besondere Aufmerksamkeit für die Märkte Ost- und Südasiens, wo die Mittelschicht stark wächst, dem vietnamesischen Tourismus ebenfalls neue Wachstumsperspektiven eröffnen.
Darüber hinaus muss Vietnam die Werbung für seine einzigartige kulturelle Identität verstärken. Traditionelle Feste, kulinarische Spezialitäten und Formen der Volkskunst sind Besonderheiten, mit denen sich Vietnam von anderen Reisezielen abheben kann. Die Zusammenarbeit mit Content-Creators, internationalen Medien und auf Reisen spezialisierten Influencern wird helfen, das Bild Vietnams bei ausländischen Touristen zu stärken.
Laut einer Studie von Morning Consult (2024) haben 22 % der Generation Z eine Reise gebucht, nachdem sie einen Beitrag eines Reise-Influencers über ein bestimmtes Reiseziel gesehen hatten. Zudem folgen 88 % der Verbraucher dieser Generation mindestens einem Reise-Influencer auf TikTok, und 45 % vertrauen den Empfehlungen dieser Content-Creators.
Vietnam hat die Kampagne „Live Fully in Vietnam“ gestartet, um für seinen Tourismus zu werben. Um ihre Wirkung zu maximieren, könnte eine Zusammenarbeit mit Plattformen wie TikTok über virale Challenges wie #TasteofVietnam ein breites Publikum erreichen und weltweit Begeisterung wecken.
Es ist entscheidend, die Fachkräfte des Tourismus so auszubilden, dass sie nicht nur die internationale Kommunikation beherrschen, sondern auch die lokalen Traditionen verstehen und zur Geltung bringen. So lässt sich das Erlebnis der Besucher verbessern und zugleich die kulturelle Identität angesichts der Modernisierung der Branche bewahren.
Mit diesem Ansatz kann Vietnam seinen internationalen Tourismusmarkt nachhaltig entwickeln, neue Besucher gewinnen und gleichzeitig seine kulturellen Werte bewahren. Das Gleichgewicht zwischen Bewahrung und Entwicklung ist jedoch heikel. Wie man so schön sagt: „Darüber zu reden ist leicht, es umzusetzen ist nicht nur schwer, sondern äußerst schwer“.
Den vietnamesischen Tourismus zu neuen Höhen führen
Um Vietnam, wie Lonely Planet vorschlägt, zu einem „Reiseziel, das man nicht verpassen darf“ zu machen, ist ein umfassender Ansatz unerlässlich – von der makroökonomischen Politik bis zur Verbesserung der touristischen Dienstleistungen vor Ort. Die vom Premierminister gebilligte Strategie zur Entwicklung des vietnamesischen Tourismus bis 2030 hat zum Ziel, Vietnam als attraktives Reiseziel unter den drei führenden Tourismusnationen Südostasiens und unter den weltweit 50 wettbewerbsfähigsten Tourismusländern zu positionieren.
Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, müssen mehrere Maßnahmen umgesetzt werden:
– den institutionellen Rahmen und die Politik des Tourismussektors verbessern
– die touristische Infrastruktur und Ausstattung ausbauen
– hoch qualifizierte Arbeitskräfte für die Tourismusbranche ausbilden
– die touristischen Produkte vielfältiger und hochwertiger gestalten
– die Werbung und den Aufbau der Tourismusmarke Vietnam stärken
– Technologien und Innovationen in Management und Entwicklung des Tourismus integrieren
Jede Initiative muss sich am Grundsatz der nachhaltigen Entwicklung orientieren, die lokale Gemeinschaft zu einem zentralen Akteur machen und Technologie nutzen, um das vietnamesische Kulturerbe zur Geltung zu bringen.
Tourismus ist kein bloßer Wettlauf um Zahlen. Er ist eine Reise, die Samen des Respekts vor dem Kulturerbe, der menschlichen Verbundenheit und der Liebe zur Natur sät. Nur wenn Vietnam diese Werte verinnerlicht, kann es auf der Weltkarte des Tourismus wirklich glänzen.
Quellen: Vietbao
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